Vorsicht bei Leitungswasser für Säuglinge und Kleinkinder

Liebe Eltern und Schwangere, Tagesmütter, Kitas und Spielkreise,
seit November 2016 beschäftigt mich ein Thema auf das ich euch gern aufmerksam machen will. Wenn Ihr Säuglinge und Kleinkinder habt, die Ihr mit Trinkwasser aus dem Wasserhahn versorgt, solltet Ihr wissen, dass das Leitungswasser in vielen Ortsteilen in Neustadt einen hohen Nitratgehalt aufweist.

Vielleicht habt ihr es in den Nachrichten gehört oder in der Zeitung gelesen, dass die Nitratwerte in unserem Leitungswasser schon länger so hoch sind, dass sogar die EU Deutschland im Herbst 2016 verklagt hat. Und noch immer gibt es in der Politik, Wasser- und Landwirtschaft keine durchgreifende Lösung für dieses Problem.

Hoher Nitratgehalt im Leitungswasser
Aufgrund der intensiven Landwirtschaft (Massentierhaltung, Gülle-Import, Überdüngung der Felder) werden die Böden immer mehr gedüngt und dadurch mit Nitrat belastet. Irgendwann kann der Boden das Nitrat nicht mehr schnell genug abbauen wodurch es dann ins Grundwasser gelangt. Aus dem belasteten Grundwasser wird dann  unser Trinkwasser aufbereitet. Nur leider ist es so, dass es sehr aufwändig und teuer ist, Nitrat aus dem Wasser zu filtern. Nitrat als solches ist für den Körper nicht schädlich, zumal auch viele Gemüsesorten Nitrat beinhalten. Zu viel Nitrat im Körper ist aber für Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere und kranke Menschen unter bestimmten Bedingungen gefährlich, weil der Körper im sauren Milieu Nitrit bildet und daraus die krebserregenden Nitrosaminen entstehen können. Deshalb solltet Ihr euch Gedanken machen, ob und wieviel Leitungswasser Ihr trinken bzw. den Kinder in Form von Milch oder Durstlöscher geben wollt. Selbst Kinderärzte warnen vor hohen Nitratwerten im Leitungswasser.

Hier seht ihr mal schematisch den Wasserkreislauf und den Zusammenhang mit Nitrat.

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Grafik: Quelle: DVGW

Grenzwerte bei Erwachsenen und Säuglingen
Grundsätzlich ist der Nitratwert im Trinkwasser bis zu einem Grenzwert von 50mg/l für Erwachsene nicht gesundheitsgefährdend – für Schwangere, Kleinkinder und Säuglinge wird jedoch empfohlen, den Grenzwert von 10mg/l nicht zu überschreiten. Vor allem Babys unter 6 Monate können an so genannter Blausucht erkranken und daran sterben. Nicht umsonst wird Babynahrung streng kontrolliert und vor allem auch spezielles Babywasser  zur Herstellung von Säuglingsnahrung empfohlen.

Die WHO hat für Erwachsene eine Höchstmenge von 3,7 mg/kg abgeleitet. Eine Person mit 60 kg Körpergewicht kann somit bis zu 220mg pro Tag Nitrat aufnehmen, ohne dass es zu gesundheitlichen Schäden kommt.

Für Kinder ab 3 Jahren mit 25 kg Körpergewicht liegt die Grenze bei 93mg pro Tag.

Kurzfristige Überschreitungen der Menge führt nicht sofort zum Risiko, kann aber bei sehr hohen Nitratwerten im Wasser schnell an die Grenzwerte stoßen und dauerhaft zu Folgeschäden führen.

Wen betrifft es überhaupt?
Den Wasseranbieter kann man ja nicht einfach so wechseln, wie einen Stromanbieter, denn die Kommunen sind dafür verantwortlich Wasser aufzubereiten und zur Verfügung zu stellen. Im Neustädter Raum  sind zwei Wasserlieferanten zuständig:

Die Kernstadt, Suttorf und Poggenhagen werden von den Stadtwerken Neustadt mit Wasser aus den Harzquellen versorgt. Hier liegen die Nitratwerte laut Trinkwasserinformation:

  • Januar 2016 bei 4,6mg/l
  • April 2017 bei 5,3 mg/l

Das Wasser ist also super und sogar für Babys, Schwangere, Kleinkinder und Säuglinge unbedenklich.
Die anderen Stadtteile Neustadts werden vom Wasserverband Garbsen mit Trinkwasser versorgt. Das Wasserwerk steht in Hagen. Hier liegt der Nitratwert laut Analyse vom

  • 30.03.2016 bei 37mg/l.
  • 13.03.2017 bei 39 mg/l.

Diese Werte sind noch unter dem Grenzwert von 50mg/l, ABER für Schwangere, Kleinkinder und Kranke Menschen ist das Leitungswasser mit so einem hohen Wert nicht empfehlenswert, da man die Nitrate nicht auskochen kann.

Die Messwerte könnt ihr jeweils bei den Wasserverbänden online abrufen.

Zufällig habe ich noch folgende Wassertests von privaten Haushalten, die den schlechten Nitratwert im Leitungswasser belegen:

  • 27.10.2015 Luttmersen bei 35 mg/l
  • 18.07.2016 Mandelsloh bei 33,8 mg/l
  • ……meldet mir gerne weitere, wenn ihr auch Wassertests gemacht habt

Was könnt ihr also tun?

– Beschäftigt euch mit dem Thema und überlegt euch, ob es euch wichtig ist.
– gebt selbst mal ein paar Stichworte bei Google oder YouTube ein
– besorgt euch Babywasser, wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt
– fragt beim Kinderarzt oder Hebammen nach
– macht einfach viele darauf aufmerksam, dass es das Risiko gibt

Lokale Initiativen gegen Nitratbelastung im Grundwasser
In Neustadt ist das Thema bei vielen Bürgern sensibel. Während die einen auf die Bauern schimpfen, ist es anderen egal. Die Bauern und Landwirte sagen, sie halten die Gülleverordnungen ein und sind nicht schuld. Andere sagen wir essen zu viel Fleisch und deswegen halten die Bauern so viele Tiere. Dann muss die Gülle ja auch irgendwohin…

Gülle-TRaktor im Einsatz

Andere hingegen setzen sich dafür ein, dass die Ortsteile von Neustadt nicht so ungleich mit unterschiedlichem Wasser versorgt werden und haben lokale Initiativen ins Leben gerufen.

Da das Problem aber deutschlandweit besteht, kämpfen vielerorts Menschen gegen die Verunreinigung des Grundwassers.

Mein Fazit:
Als ich die Empfehlung von meiner Hebamme bekommen hatte, habe ich sofort recherchiert und mir die Nitratwerte besorgt. Auch habe ich in der Brei- und Beikostzeit auf Leitungswasser verzichtet und bis zum ca. 14. Lebensmonat spezielles Babywasser zum Trinken gegeben.
In der Kita kriegen die Kinder aber auch Leitungswasser und da habe ich noch meine Bedenken bei meinem 3-Jährigen Sohn. Aber ich hoffe mal, dass das gekaufte Mineralwasser zuhause einen Ausgleich dazu schafft.

Wasserflasche mit Glas

Ich will keinem Angst machen, sondern nur dass ihr wisst, dass es dieses Risiko gibt.

Wenn ihr eure Babys nicht stillt, sondern auf Milchnahrung/Leitungswasser angewiesen seid, denkt darüber nach, für ein paar Monate lieber auf Nummer sicher zu gehen und Babywasser für die Säuglingsnahrung zu verwenden. Die kleinen Organismen können sich auf so viele neue Stoffe gar nicht so schnell umstellen und reagieren sensibler.

Ich habe euch hiermit ein paar Infos zusammengestellt und selbst auch deutschlandweite und lokale Petitionen unterschrieben.  Letztendlich muss es jeder für sich selbst entscheiden. Ich hoffe ich konnte etwas Klarheit schaffen.

Meine Quellen, Videos und Recherchen:

Hier habe ich ein paar Videos und Infos aufgelistet, die ich unter anderem genutzt habe. Vielleicht ist das eine oder andere für euch lesenswert.

https://www.dvgw.de/themen/umwelt/nitrat-im-wasser/

http://www.wvgn.de/

https://www.guelleverschmutzung-stoppen.de/

https://www.wasserklinik.com/nitrate-im-trinkwasser/

https://www.youtube.com/watch?time_continue=121&v=HekviCfQ2tY

https://www.facebook.com/groups/437805686555180/

https://www.kinder.de/themen/kleinkind/kleinkind-gesundheit-vorsorge/leitungswasser-eine-gefahr-fuer-die-gesundheit/

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